EJE Gut Ettenhausen Janina Wilbertz

Janina Wilbertz – Trainingsanalyse
E Q U E S T R I A N
Empathic Jump Experience

Persönliche Trainingsanalyse für Janina Wilbertz & Giotto

DIMENSION VOR DEM LEHRGANG NACH TAG 1 NACH TAG 2
Sicherheit / Balance
Führung / Entschlusskraft
Hand-Softness
Vertrauen in Giotto
Rhythmus-Stabilität
● Solide Basis ◐ In Arbeit ○ Baustelle
AUSGANGSLAGE
Missverständnis-Spirale
TAG 1
Sicherheit zurück
TAG 2
Vertrauen gefunden
01
VOR DEM LEHRGANG
Die Self-Fulfilling Prophecy: Wenn Angst zur Realität wird
WAS WIR GESEHEN HABEN

Ein Paar in einer Missverständnis-Spirale. Eine Reiterin, die interpretiert: „Mein Pferd hat Angst vor der Höhe.“ Ein Pferd, das eigentlich kommuniziert: „Ich suche Führung, aber bekomme widersprüchliche Signale.“

Und am Ende: Ein Sturz. Die logische Konsequenz fehlender Balance und instabiler Führung.

Das war kein Zufall. Das war vorhersehbar.

DIE KÖRPERLICHEN MARKER DES KONTROLLVERLUSTS

Die Kamera zeigt drei kritische Muster:

  • Der „Diver-Sitz“: Der Oberkörper wirft sich vor dem Absprung auf den Hals – vorauseilender Gehorsam. Das bringt Giotto auf die Vorhand und zerstört seine Balance.
  • Das „Pendel-Bein“: Über dem Sprung rutscht der Unterschenkel extrem weit nach hinten-oben Richtung Schabracke. Das Knie klammert als einziger Halt. Keine stabile Basis. Nur Hoffnung.
  • Das Abwenden: Vor dem letzten Sprung (der zum Sturz führte) wirkt der linke Zügel seitwärts-rückwärts. Der Körper schreit „Hilfe“. Du wendest aktiv ab. Giotto folgt der offenen Tür – und du interpretierst es als Verweigerung.
Die brutale Wahrheit:
Es war keine bösartige Verweigerung. Es war keine Angst vor der Höhe. Es war ein Pferd, das auf dein Signal reagiert hat: „Wir gehen nicht drüber.“

Du hast abgewendet. Giotto ist deiner Führung gefolgt. Aber die Dynamik war zu groß, die Balance zu instabil – und das System kollabierte.
WAS IN DEINEM KOPF PASSIERT IST

„Self-Fulfilling Prophecy“ – Die Angst vor der unpassenden Distanz führt zum vorzeitigen Aufgeben.

Dein mentales Skript: „Die Distanz passt nicht. Ich muss abbrechen. Ich rette uns.“

Aber hier ist die harte Wahrheit: Das „Retten“ war das Problem. Die „Rettungs-Volte“ hat das Missverständnis erst geschaffen.

Giotto suchte Führung. Aber was er bekam, war Unsicherheit. Und Unsicherheit im Anritt ist für ein Pferd das gleiche wie ein Stopp-Signal.

AUSWIRKUNG AUF GIOTTO

Giotto ist nicht „guckig“. Er ist nicht unwillig. Er ist führungslos.

Ein Pferd, das im entscheidenden Moment Zögern spürt, übernimmt diese Unsicherheit. Es fragt: „Sollen wir wirklich? Du scheinst nicht sicher zu sein.“

Und wenn du dann auch noch aktiv abwendest – durch Zügeleinwirkung, durch Körperdrehung – dann ist das für Giotto ein klares Kommando: „Wir gehen vorbei.“

Er folgt dir. Immer. Auch wenn das bedeutet, dass das System kollabiert.

02
TAG 1
Die Wiederherstellung der Sicherheit
WAS PASSIERT IST

Tag 1 war die Wiedergeburt. Ein komplett anderes Bild als vor dem Lehrgang.

Das Paar ist sicher über den Sprüngen. Keine akute Gefahr mehr. Keine Abwende-Versuche. Keine „Rettungs-Volten“.

Das Problem ist nicht mehr das „Ob“ – ob ihr überhaupt springt. Das Problem ist jetzt das „Wie“ – die Qualität der Einwirkung.

Der Durchbruch:
Du hast gelernt, dass „Wir reiten drüber, egal wie es passt“ der Schlüssel ist. Das Verbot der „Rettungs-Volte“ hat funktioniert. Die Sicherheit ist zurück, weil du Giotto Führung gibst, statt Unsicherheit.
DAS NEUE THEMA: HANDBREMSE VS. GASPEDAL

Mit der Sicherheit kam ein neues Muster: Die mechanische Kontrolle.

In der Distanzübung (4 oder 5 Galoppsprünge) wurde sichtbar:

  • Beim Vorwärtsreiten (4 Gsp.): Harmonisch. Der Sitz ist flüssig. Giotto springt mit Schwung.
  • Beim Aufnehmen (5 Gsp.): Die Hand wird fest, zieht rückwärts in den Bauch. Der Rhythmus stockt. Giotto springt „gegen die Hand“ ab.
DIE RÜCKWÄRTS-HAND

Du versuchst, den Galoppsprung über die Hand zu verkürzen, statt über den Sitz und die Körperspannung.

Das Resultat: Giotto wird flach und fest im Rücken. Der Sprung wird gebremst, nicht gesammelt.

Der biomechanische Widerspruch: Dein Körper kippt leicht nach vorne (sagt „Go“), während deine Hand zieht (sagt „No“). Giotto bekommt zwei entgegengesetzte Signale.

Er ist kooperativ. Er macht den „Job erledigt“. Aber er ist nicht losgelassen. Er wartet auf Befehle, statt im Fluss zu bleiben.

WAS DU GELERNT HAST

Du hast gelernt, dass Führung bedeutet: Entschiedenheit. Nicht Abwenden, nicht Zögern. Sondern: Wir reiten drüber.

Das ist ein fundamentaler Shift. Von „Ich hoffe, es passt“ zu „Wir machen es passend“.

Aber du bist noch in der Phase, wo du versuchst, die Distanz über die Hand zu „machen“. Das ist mechanisch, nicht organisch.

03
TAG 2
Vom Micro-Management zum Vertrauen
DIE TRANSFORMATION

Tag 2 zeigt eine deutliche Veränderung. Die grobe „Handbremse“ ist weg. Der Rhythmus ist gleichmäßiger. Du sitzt ruhiger.

Die „Panik-Aktionen“ von Tag 1 sind verschwunden.

Aber unter den Anforderungen des Parcours kommt ein altes Muster in abgeschwächter Form zurück: Das Micro-Management.

DER ZUPFER IN DER ZONE

Sobald eine Distanz gesehen wird – etwa 3 Galoppsprünge vor dem Sprung – fängt die Hand an zu „krümeln“. Leichtes Zupfen, kleine Korrekturen, minimale Anpassungen.

Du versuchst, das Pferd manuell in die Absprungzone zu heben, statt den Motor von hinten schieben zu lassen.

Du willst die Distanz „perfekt machen“, statt sie „geschehen zu lassen“.

Das unterbricht minimal den Fluss. Nicht dramatisch wie vor dem Lehrgang. Nicht grob wie an Tag 1. Aber es ist noch da: Das Bedürfnis zu kontrollieren.

DIE POSITIVE ENTWICKLUNG

Aber hier ist das Entscheidende: Der Oberkörper bleibt deutlich stabiler als an Tag 1.

Du wirfst dich nicht mehr vor. Giotto dankt es mit besserer Bascule – sein Rücken wölbt sich mehr, er springt vermögend und willig.

Seine Ohren sind mehr bei der Sache, weniger im Nacken. Er zeigt: „Ich mache das, lass mich nur in Ruhe.“

Das ist Vertrauen. Das ist Kommunikation. Das ist Partnerschaft.

DAS VERBLEIBENDE DETAIL

Nach dem Sprung ist der erste Reflex oft noch „Hand zu“, um Kontrolle herzustellen, statt „Bein zu“, um den Galopp zu halten.

Giotto fällt dadurch nach dem Sprung leicht aus dem Rhythmus – nicht weil er es nicht könnte, sondern weil du ihm noch nicht zu 100% vertraust.

Aber das ist Feintuning. Das ist nicht mehr Überlebensmodus. Das ist nicht mehr mechanische Handbremse. Das ist nur noch: Lernen loszulassen.

Die Erkenntnis von Tag 2:

Du hast in zwei Tagen eine Reise gemacht von „Ich hoffe, wir überleben“ zu „Ich vertraue fast, dass er es kann.“

Das „fast“ ist das einzige, was noch fehlt.

DAS FAZIT DIESER DREI TAGE

Die gute Nachricht: Du hast eine beeindruckende Transformation durchgemacht. Von akuter Sturzgefahr und Missverständnis-Spirale zu stabilem Rhythmus und Führung in zwei Tagen. Das ist außergewöhnlich.

Die ehrliche Nachricht: Das Micro-Management in der „Red Zone“ (die letzten 3 Galoppsprünge) zeigt, dass du Giotto noch nicht zu 100% vertraust. Du willst noch helfen, korrigieren, perfekt machen.

Die entscheidende Erkenntnis: Giotto braucht deine Entschiedenheit, nicht deine Perfektion. Er braucht eine Reiterin, die sagt „Wir gehen drüber“ und dann die Hände ruhig stehen lässt. Die dem Canter vertraut, den sie hat.

„Führung bedeutet nicht Perfektion.
Führung bedeutet Entschiedenheit.

Wenn ich aufhöre, Giotto zu korrigieren,
und anfange, ihm zu vertrauen,
springt er für mich.“
DEINE WERKZEUGE FÜR MEHR VERTRAUEN
Von mechanischer Kontrolle zu organischem Flow
WERKZEUG 1 – Die Einbahnstraße

Baue Fanggassen (Stangen/Ständer links und rechts vom Sprung). Die Option „Vorbeilaufen“ wird physikalisch blockiert.

Aufgabe: Kleine Sprünge ohne Hände reiten (Longe oder Halsring). Lerne, dass Giotto springt, wenn du dich auf deine Balance konzentrierst, statt zu lenken.

Ziel: Vertrauen aufbauen, dass „Wir reiten drüber“ bedeutet: Giotto findet den Weg.

WERKZEUG 2 – Atmen statt Ziehen

Für die kurze Distanz (5 Galoppsprünge): Ausatmen und sich groß machen (Oberkörper aufrichten), statt die Zügel zu verkürzen.

Bremsen passiert durch „Schwer-Machen“ im Sattel, nicht durch Ziehen am Maul.

Mantra: „Verändere den Rhythmus, nicht die Halslänge.“

WERKZEUG 3 – Hand auf den Widerrist drückend

In der Anreitephase (letzte 3 Galoppsprünge): Hände bewusst tief und ruhig hinstellen. Keine Korrektur mehr in der Zone.

Gedanke: „Bein dran, Hand weg.“ Wenn du unsicher wirst: Wadenkontakt erhöhen, nicht Zügelkontakt erhöhen.

WERKZEUG 4 – Die Zügelbrücke

Reite den Parcours mit einer Zügelbrücke (ein Zügelende über den Hals legen und mit der anderen Hand festhalten, oder in den Mähnenkamm greifen).

Die Hände sind fixiert. Du kannst nicht mehr zupfen. Du musst lernen, dass Giotto die Distanz auch ohne deine letzte „Hilfe“ findet.

WERKZEUG 5 – Die Übergangs-Falle

Weg von den Stangen, hin zur Rittigkeit: Galopp auf dem Zirkel.

10 Sprünge zulegen (Jagdgalopp), 10 Sprünge einfangen (Versammlung) – ohne die Zügel kürzer zu nehmen.

Ziel: Den Motor über den Sitz steuern lernen, nicht über die Hand.

KRITISCHE REGEL:

Das Verbot der „Rettungs-Volte“ bleibt bestehen. Für immer. Auch eine schlechte Distanz wird geradeaus geritten.

Wenn du einmal abwendest, lernst du (und Giotto lernt): „Wir können ausweichen.“ Das zerstört alles, was du in diesen zwei Tagen aufgebaut hast.

DEIN 4-WOCHEN-PLAN
Vom Micro-Management zum Flow

Dieser Plan ist kein Höhen-Programm. Es ist ein Vertrauens-Programm. Du hast die Sicherheit zurück. Jetzt geht es um das Loslassen der letzten Kontrolle.

WOCHE 1 – FUNDAMENT SICHERN
Motto: „Die Einbahnstraße ist Gesetz“

Die Regel: Alle Sprünge mit Fanggassen. Die Option „Vorbeilaufen“ existiert nicht.

Drill A – Die Einbahnstraße:

  • Stangen/Ständer links und rechts von jedem Sprung
  • Kleine Sprünge (60-70cm), hohe Sicherheit
  • Fokus: Vertrauen aufbauen, dass „Wir gehen drüber“ immer bedeutet: Wir gehen drüber

Drill B – Ohne Hände:

  • Gymnastiksprünge ohne Zügel (Longe oder Halsring)
  • Hände in die Mähne oder seitlich abstrecken
  • Ziel: Spüren, dass Giotto springt, wenn du dich auf Balance konzentrierst

Check nach jedem Ritt:

  • Habe ich einmal überlegt abzuwenden? (Ja/Nein)
  • Hat Giotto sich sicher angefühlt?
  • War mein Oberkörper stabil?
WOCHE 2 – HAND-DISZIPLIN
Motto: „Hände vor, Bein dran“

Die Regel: Die Hand darf niemals hinter den Widerrist gehen. Bremsen passiert durch den Sitz, nicht durch Ziehen.

Training A – Atmen statt Ziehen:

  • Distanzübungen (4 vs. 5 Galoppsprünge)
  • Für die 5er: Ausatmen, groß machen, Sitz schwer – Hand bleibt vorne
  • Für die 4er: Wadenkontakt, Oberkörper mit – Hand bleibt vorne

Training B – Die Übergangs-Falle:

  • Galopp auf dem Zirkel: 10 Sprünge zulegen, 10 Sprünge einfangen
  • Ohne die Zügel kürzer zu nehmen
  • Nur über Sitz und Atmung steuern
WOCHE 3 – DIE RED ZONE MEISTERN
Motto: „Vertrau dem Canter, den du hast“

Die Regel: In den letzten 3 Galoppsprüngen vor dem Sprung: Keine Korrektur mehr. Hände bleiben ruhig.

Drill A – Die Zügelbrücke:

  • Parcours mit Zügelbrücke oder Hand in der Mähne
  • Hände sind fixiert – du kannst nicht mehr zupfen
  • Ziel: Lernen, dass Giotto die Distanz ohne deine Hilfe findet

Drill B – Hand auf Widerrist:

  • In der Anreitephase: Hände bewusst tief und ruhig drückend auf den Widerrist
  • Kein Zupfen, kein Korrigieren
  • Wenn Unsicherheit kommt: Wadenkontakt erhöhen, nicht Zügelkontakt
WOCHE 4 – FLOW-INTEGRATION
Motto: „Ich vertraue Giotto, er vertraut mir“

Die Regel: Parcours ohne Fanggassen, aber mit allen gelernten Ankern.

Parcours-Training:

  • 6-8 Sprünge, moderate Höhe
  • Ein Anker pro Durchgang: „Bein dran, Hand weg“
  • Fokus auf Fluss, nicht auf Perfektion

Vertrauens-Check:

  • Habe ich in der Red Zone korrigiert? (Ja/Nein)
  • Hat sich Giotto locker angefühlt?
  • War ich Führung oder Micro-Management?
Erfolgs-Indikator:
Du weißt, dass das Vertrauen sitzt, wenn:
→ Giotto springt ohne dein Zutun in der Red Zone
→ Du nach dem Ritt lächelst, nicht erleichtert durchatmest
→ Die Ohren bleiben bei dir, nicht im Nacken
→ Du denkst „Das war leicht“ statt „Das haben wir überlebt“
DER TRADE-OFF, DEN DU AKZEPTIEREN MUSST

Option A: Kontrolle

  • Du versuchst, jede Distanz perfekt zu machen
  • Du korrigierst in der Red Zone, zupfst, managst
  • Giotto verliert den Fluss, springt gegen die Hand
  • Du bist Micro-Manager, nicht Leader
  • Am Ende seid ihr beide angespannt

Option B: Vertrauen

  • Du gibst den Canter vor, lässt dann los
  • Manchmal passt die Distanz nicht perfekt – aber ihr kommt drüber
  • Giotto springt mit Schwung, nutzt seinen Rücken
  • Du bist Leader, nicht Kontrolleur
  • Am Ende lächelt ihr beide

Du kannst nicht beides haben. Entweder Kontrolle oder Flow. Wähle Option B.

„Ich muss Giotto nicht perfekt steuern.
Ich muss ihm nur sagen: Wir gehen drüber.

Wenn ich aufhöre zu korrigieren,
und anfange zu vertrauen,
springt er für mich.“
ZUM SCHLUSS

Janina, diese drei Tage haben dir einen Spiegel vorgehalten – und gleichzeitig eine Transformation ermöglicht.

Du bist von akuter Sturzgefahr und Missverständnis-Spirale zu stabilem Rhythmus und Führung gekommen. In zwei Tagen. Das ist außergewöhnlich.

Der Sturz vor dem Lehrgang war real. Die Angst war berechtigt. Aber du hast gelernt, dass die Lösung nicht „Abwenden“ ist, sondern „Entscheiden“.

Giotto hat dir an diesen zwei Tagen gezeigt: „Wenn du führst, folge ich. Wenn du zögerst, muss ich raten.“

Das ist keine Theorie. Das ist Realität.

Die nächsten Wochen sind nicht dazu da, höher zu springen. Sondern um zu festigen: Das Vertrauen. Die Entschiedenheit. Das Loslassen der letzten Kontrolle.

Du hast die Sicherheit zurück. Jetzt geht es darum, die Leichtigkeit zu finden.

Die Frage ist nicht, ob Giotto für dich springt.
Die Frage ist: Vertraust du ihm genug, um ihn springen zu lassen?

P.S.:

Das Verbot der „Rettungs-Volte“ ist nicht verhandelbar. Für immer.

Auch wenn eine Distanz katastrophal aussieht: Wir reiten drüber. Giotto wird dich nicht im Stich lassen. Aber nur, wenn du ihn nicht im Stich lässt.

Vertrauen ist keine Einbahnstraße. Es ist ein Pakt. Halte ihn ein.

Andy Candin
EMPATHIC JUMP COACH
VA Equestrian | Empathic Jump Experience
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